Warum gezielte Königinnenzucht wichtig ist
Die größte Gruppe der deutschen Imker beteiligt sich nicht an der Zucht. Sie wird kostenfrei durch freie Anpaarung ihrer Königinnen mit den Drohnen aus der Umgebung an dem genetischen Zuchtfortschritt beteiligt, wobei dieser von Region zu Region unterschiedlich stark ausgeprägt sein kann.
Ein wesentlich geringerer Teil der Imkerschaft beschäftigt sich mit der Produktion (wohlgemerkt nicht mit der Zucht) von Königinnen, indem sie sich Reinzuchtköniginnen von Züchtern oder Instituten beschafft und standbegattete Wirtschaftsköniginnen aufzieht. Teilweise kommen auch Insel- und Landbelegstellen für die gesicherte Anpaarung zum Einsatz.
Die kleinste Gruppe der Imker bildet dann die tatsächlichen Züchter. Dieser Personenkreis betreibt aus unserer Sicht eine wissenschaftliche Arbeit, die Leistungsbeurteilung, Selektion und Linieneinkreuzung beinhaltet. Die Erschaffung (und um nichts anderes handelt es sich hierbei) einer nachzuchtwürdigen Linie erfordert nicht selten Jahre, wobei niemand dem Züchter die Garantie geben kann, dass seine Anstrengungen, Investitionen der Ressourcen Arbeit und Kapital, von Erfolg gekrönt sein werden.
Der Versuch – eingeläutet in den 50 er Jahren – die deutsche Landrasse durch Verbreitung der Carnica positiv und einheitlich zu beeinflussen, ist unseres Erachtens nach (nach ersten Erfolgen) heute als gescheitert anzusehen.
Der Hauptgrund hierfür liegt sicherlich in der konsequenten Abnahme der Imkerzahl, begleitet von der schrumpfenden Völkerzahl / Imker. Der Großteil dieser Imker gehört zur ersten der oben beschriebenen Gruppe – ihnen gegenüber steht allerdings ein berufsmäßig orientierter Kreis von Buckfastimkern, der eine entsprechend große Völkerzahl hält und darüber hinaus häufig regional weit auseinanderliegende Trachten anwandert.
Heute noch zu glauben, eine unkontrollierte, freie Königinverpaarung könne einen gewünschten Erfolg bringen, halten wir für sehr gewagt. Die deutsche Landbiene ist schon lange nicht mehr „carnicadominiert“. Die optischen Bienenmerkmale in einer Durchschnittsimkerei lassen keinen Zweifel daran, dass die Buckfastbiene seit geraumer Zeit mit in unsere Landrasse eingegangen ist. Eine unkontrollierte Kreuzung von Carnica und Buckfast ist bei F1 – Generationen unproblematisch, ja oftmals sogar als positiv zu bewerten. Danach jedoch (F2 Generationen und weitere) zeigen sich viele unerwünschte Eigenschaften bei solchen Völkern.
Der Qualitätsverlust unserer Landrasse wird begünstigt durch falsch aufgestellte Schutzradien bei den Belegstellen. Man begnügt sich auf ein Übergewicht von Zuchtdrohnen gegenüber Fremddrohnen und verwertet dieses qualitativ fragwürdige Material für die Nachzucht. Wenn wir uns nun einmal die genetische Besonderheit der Mehrfachpaarung und des ausgeprägten Geschlechtsbestimmungsmechanismus vor Augen halten, muss die Arbeit unserer Belegstellen sehr kritisch bewertet werden.
Keine erfolgreiche Imkerei ohne gewissenhafte Königinnenzucht.
So oder so ähnlich könnte die Überschrift einer Zuchtanleitung lauten, doch ist die Durchführung einer erfolgreichen Königinnenzucht von mehreren Faktoren abhängig und daher nicht ganz einfach durchzuführen. Vor dem Hintergrund der Mehrfachpaarung bei den Bienen beginnen bereits hier die ersten oftmals unüberwindbaren Probleme; eine Anpaarung, wie wir sie aus der Viehwirtschaft kennen, ist nicht möglich.
Folgende Faktoren sind für eine erfolgreiche Zucht unabdingbar, u n a b h ä n g i g von der Bienenrasse:
Selektion
Bei der Auswahl von Zuchtvölkern greifen viele Züchter auf die Vermessung von biometrischen Merkmalen zurück, wie z. B. dem Cubitalindex.
Der sei hier wie folgt genannt:
Rasse
Apis
Apis
Apis
Merkmal
melifera melifera Minimum/Maximum
melifera melifera Minimum/Maximum
melifera melifera Minimum/Maximum
Cubitalindex (a/b)
1,7 1,4-2,1
2,6 2,3-3,2
2,3 2,0-2,7
Natürlich können weitergehende biometrische Merkmale wie Haarlänge, Breite der Filzbinden, Rüssellänge oder die allgemeine Färbung vermessen werden, um ein besseres Untersuchungsergebnis zu erzielen.
Ebenso ist auch eine Selektion rein nach Verhaltensmerkmalen möglich (und in der Buckfastzucht besonders beliebt) Merkmalsbeispiele: Sanftmut, Schwarmträgheit, Wabenfestigkeit, Vitalität, Varroatoleranz.
Diese Merkmale seien hier nur exemplarisch genannt und werden in der tatsächlichen Zuchtarbeit oftmals noch um andere wünschenswerte Eigenschaften erweitert.
Probleme bei dieser Methode bildet oftmals ein zu kleiner Pool an Beobachtungsvölkern. Je Linie sind mindestens 10 Völker unabdingbar, doch erst ab einer Zahl von ungefähr 50 Versuchsvölkern kann hier von seriösen Auswahlergebnissen gesprochen werden.

Die Drohnen der Völker, die für die Zucht vorgesehen sind, müssen gut entwickelt und gesund sein. Sehr wichtig ist, dass die Drohnen für die Besamungsaktion geschlechtsreif und das gleiche Alter haben. Für die Besamung nimmt man am besten geprüfte Geschwisterköniginnen oder man entscheidet sich für viele Väter und nimmt nicht verwandte geprüfte Königinnen als Ausgangsmaterial.
Vorbereitung der Drohnenvölker
Die Natur kann unterstützt werden, wenn in die Drohnenvölker Drohnenrähmchen eingesetzt werden. Der Abstand bei den Oberträgern muss aber mindestens 4mm mehr sein als die Abstände der anderen Rähmchen. Abstand Mitte zweier Waben nebeneinander in der Beute soll 44 bis 45 mm sein. Die Drohnenrähmchen brauchen mehr Platz, damit die viel größeren Drohnenzellen länger ausgezogen werden und die Entwicklung der Drohnen besser ist.
Zeitplan bis zur Besamung
44 Tage vor der Besamungsaktion werden die Drohnenrähmchen mit Drohnenmittelwänden in die Völker gesetzt. Ein gut vorbereitetes Volk arbeitet schnell und innerhalb von 5 Tagen sind die Waben ausgebaut und bereits bestiftet! Somit hat man für die Besamung und auf der Belegstelle gleichaltrige Drohnen, die nur eine von mehreren Voraussetzungen für ein gutes Begattungsergebnis ist.
Etwa am 6. Tag nach dem Einhängen wird das Rähmchen dann in die Mitte des Honigraumes umgesetzt, auch wenn die Waben noch nicht vollständig bestiftet sind, denn zur Besamung sollen alle Drohen etwa das gleiche Alter haben. Zwischen Brutund Honigraum wird ein Absperrgitter gelegt. Beiderseits von den Drohnenwaben werden Waben mit ganz frischer Brut gehängt, damit viel Jungbienen in den Honigraum gehen, und die Brut, vor allem aber die Drohnenbrut sich bei gleichbleibender Wärme entwickeln kann. Diese Wärme ist in der Mitte des Volkes und hier können wir das beste Ergebnis erwarten. Nach dem Schlüpfen der Drohen werden wieder Brutwaben in den Honigraum gesetzt, damit die Drohnen immer die richtige Temperatur haben. Warum das Einhängen der Rähmchen 44 Tage vor der Besamungs- und Begattungsaktion? Die Drohnen schlüpfen nach 24 Tagen, sind dann schon 40 Tage nach der Bestiftung geschlechtsreif, aber die Drohnenmittelwände müssen von den Bienen ausgebaut werden, dafür werden bis zu 4 Tage hinzugerechnet. Die Geschlechtreife der Drohen hält etwa 10 bis 12 Tage.
Fremddrohnen vermeiden
Wenn die Möglichkeit besteht, stellt man diese Völker an einem Platz, wo in einem weiteren Abstand keine Völker stehen. Andere Drohnen dürfen keine Möglichkeit haben, in diese Völker zugelangen. Vor dem Flugloch eines Drohnenabsperrgitters und den fremden Drohnen muss die Möglichkeit genommen werden, sich unter dem Boden versammeln zu können. Die Drohnen möchten etwa 10 Tage, nach dem sie geschlüpft sind, fliegen. Das ist etwa der 38. Tag nach dem Einhängen der Drohnenmittelwände. Bewährt hat sich, dies abends nach den Flugbetrieb der anderen Bienenvölker zu tun. So hat man die Gewähr, dass keine fremden Drohen in die Beuteeinfliegen. Jetzt muss das Flugloch der Beute verschlossen werden und bleibt während der Flugzeit der Drohnen geschlossen. Nun wird der Deckel geöffnet. Von hier fliegen alle Drohen und Bienen aus. Die Drohnen kehren nach 10 bis 20 Minuten zurück. Nach 30 Minuten wird der Deckel geschlossen. Das reguläre Flugloch wird geöffnet.
Imker mit Dadantbeuten haben es schwerer. Hier kann man einen Drohnenableger erstellen. Eine andere Möglichkeit ist; unten einen Honigraum zu stellen, ein Absperrgitter und den Brutraum aufsetzen. Hier muß vor das Flugloch ein Absperrgitter gestellt werden, denn sonst ist der untere Raum voll fremder Drohnen.
Ablauf am Tag der Besamung
Drohnen und Königinnen fliegen bei Temperaturen ab 20° C und sonnigem Wetter aus. Vor der Geschlechtsreife sollen die Drohnen 2 – 4 mal ausfliegen. Somit haben alle Drohnen wenigstens einmal geflogen, dann besteht kaum die Gefahr, dass sie beim Besamen koten.
Am Tag der Besamung wird die Beute mit einen Deckel zudeckt, der ein Loch hat. Auf das Loch stellt man ein Kästchen, und die Drohen krabbeln von unten hoch zum Licht, weil sie ausfliegen wollen.
Kästchen ca. 30 x 30 cm. Boden mit einer Öffnung. 1. Seite mit Absperrgitter/Draht. Besser sind zwei Seiten mit Plexiglas, damit das Kästchen Licht hat. Die anderen Teile aus Sperrholz. Bewährt hat sich für dieses Kästchen ein kleines Kästchen von ca. 6 cm Höhe anzufertigen. Boden als Schieber und Deckel aus Drahtgewebe ca. 3mm. In dieses kleine Kästchen (Kleinformat Apidea) eine unbegattete Königin mit Bienen setzen, dass erleichtert das Abfangen der Drohnen.
Bei ungünstigem Wetter steigen die Drohnen nicht nach oben und man muss sie einzeln von den Waben abnehmen. Für die Besamung einer Königin gebraucht man etwa 20 bis 30 Drohnen. In dem Besamungsraum muss es warm sein, Temperatur ca. 25° C. Vielleicht ist es möglich die Drohnen vor einem geschlossenen Fenster fliegen zu lassen, damit sie noch mal abkoten können. Die Drohnen werden dann vom Fenster gesammelt. Kot darf nicht mit Sperma in Berührung kommen, dieses Sperma ist wertlos.
Wer gute Besamungs-, Begattungserfolge haben möchte, muss seine Drohnenvölker sehr gut pflegen und behandeln. Für gute Jungköniginnen lohnen sich die Mühen.
Natürlich ist dieser Aufbau von Drohnenvölkern auch für die Nutzung auf einer klassischen Belegstelle geeignet.
(Quelle: Hans Vennes, ehem. 1. Vorsitzender des LV der Nordrhein Westfälischen Buckfastimker e. V. )
Grundsätzlich bedeutet Zucht Vermehrung mit qualitativen und quantitativen Merkmalen. Quantitative Merkmale und ihre Heritabilität (Vererbung) wurden bereits bei ADAM beschrieben.
Gelingt es uns, den Honigertrag um 10 kg zu steigern, wird statistisch davon ausgegangen, dass nur 26 %, also 2,6 kg, davon erblich bedingt erreicht wurden.
Die Zucht der Honigbiene kann sich in verschiedenen Mustern vollziehen, hierbei unterscheiden wir:
Die Verdrängung ist in der Bienenzucht theoretisch nach 7 Generationen erreicht, gleiches gilt auch für die Kombinationszucht. Allerdings ist hier die Genetik und somit die Vorhersagbarkeit von Zuchtergebnissen eine unklare Größe – halten wir uns nur vor Augen, dass die Jungkönigin 16 väterliche und 16 mütterliche Chromosomen in sich trägt, sprechen wir von über 65.500 genetisch verschiedenen Eiern. Um auch nur annähernd vorhersagbare Zuchtergebnisse erzielen zu können,werde ich an dieser Stelle nicht müde zu betonen, dass nur von reinem, instrumentell angepaartem Ausgangsmaterial nachgezüchtet werden darf. Für die weitere Selektionsarbeit und Auffindung von nachzuchtwürdigen Linien ist eine rationelle und praktikable Auslesemethodik anzuwenden.

Die Auswahl von Zuchttieren nach Körpermerkmalen wird bei uns nur angewendet bei Einkreuzung reiner Rassen, die mit besagter Methodik lediglich auf Reinrassigkeit überprüft werden. Leistung von Körpermerkmalen abhängig zu machen ist sicherlich die falsche Herangehensweise bei der Bienenzucht. Stellen wir uns vor, dass ein Chormeister einen begabten Sänger sucht, der eine Stimme hat wie z. B. Elvis Presley. Zweifellos wird dies gelingen, doch wird das Unterfangen um einiges aussichtsloser, soll dieser besagte neue Sänger auch noch so aussehen wie Presley. (frei nach RIES)
Die Selektion nach Leistungsbewertung ist hingegen ein gangbarer Weg, insofern die Selektionsmerkmale auf eine realistische und erreichbare Größe eingeengt werden. Dies gilt im Besonderen für Privatbetriebe, die ganz ohne wissenschaftliche Mitarbeiter, Praktikanten und Doktoranden auskommen müssen. Eine häufig geforderte ausreichende Bienenvölkermenge, um eine Selektion realistisch durchführen zu können, ist m. E. nicht verhandelbar. Ergebnisse und ihre Wiederholbarkeit müssen überprüfbar sein.
Eine Inzuchtmessung durch Brutausfallerfassung wurde besonders in der vergangenen Zeit sehr in Frage gestellt. Hier wurden Argumente wie kürzlich beschriebene Heizerzellen eingebracht, deren Existenz diese Methodik der Inzuchterfassung in Frage stellen. Ergänzend kann ich hinzufügen, dass auch auslaufende Brut die Erkennung der o. g. Brutlücken erschwert. Der Aufsatz einer Schablone auf eine erst im Mai ausgebaute und anschließend verdeckelte Brutwabe ist hingegen ein Parameter, der hilfreich sein kann, um Inzuchtdepressionen bei sonst gesunden Völkern zuverlässig erkennen zu können.
Unsere hier unten beschriebene Methodik orientiert sich an der Notenskala zur Beurteilung von Bienenvölkern in der Zucht- und Versuchsarbeit, ausgearbeitet von DANMARKS BIAVLERFORENING.
1. Sanftmut
2. Geringe Schwarmneigung
3. Wabenfestigkeit
4. Honigertrag
Für die Punkte 1 bis 4 werden Jahresnoten vergeben.
5. Hygienisches Verhalten (Ausräumrate, wird im Kapitel „Auf dem Weg zu mehr Varroatoleranz“ erläutert).
Weitere interessante Eigenschaften wie Flugkraft, Spür– und Verteidigungssinn, Frühjahrsentwicklung und Sparsinn können darüber hinausgehend subjektiv beobachtet werden und sind bei uns stets das „Zünglein“ an der Waage, wenn zwischen nahezu identischen Schwestern ausgewählt werden soll.
An dieser Stelle soll noch einmal ausdrücklich über die Entscheidung der oben genannten selektiven Kriterien referiert werden:
1. Sanftmut: Es gibt keinen Grund, mit aggressiven Bienen zu arbeiten, da sich Sanftmut völlig problemlos innerhalb weniger Generationen herauszüchten läßt. Schon jetzt gibt es viele Bienenvölker, die ohne Schutzkleidung bearbeitet werden können. Besonders im Bezug auf die Auswahl von Standplätzen in Stadtgebieten (gerade hier ist der Einsatz von Pestiziden oftmals am geringsten und nicht selten ernten wir auch hier den besten Honig) ist eine friedfertige Biene von Vorteil und vermeidet so manchen Nachbarschaftsstreit.
2. Schwarmneigung: Ein sich in Schwarmneigung befindliches Volk ist aus wirtschaftlicher Sicht für den Imker nahezu wertlos. Die Schwarmneigung dauert bis zu zwei Wochen an und endet in der Regel damit, dass die alte Königin mit bis zu der Hälfte des Bienenvolkes und einer nicht unbeträchtlichen Menge an Honig ihren Stock verläßt. Das Ergebnis ist dann traurig: Keine Bienen, Kein Honig!
Darüber hinaus wendet der Imker sehr viel zusätzliche Zeit auf, die Bienenvölker auf Schwarmzellen zu kontrollieren und den Auszug eines solchen Volkes zu verhindern.Zuchtbemühungen von uns Imkern werden den natürlichen Trieb zumSchwärmen niemals ausmerzen können – so gibt es bestimmte Schwarmjahre, wo auch die besten Zuchtvölker schwärmen wollen.
Es handelt sich hierbei um einen Naturtrieb, der nicht ausgeschaltet, sondern züchterisch eingedämmt werden soll. Unser Ziel muss es sein, die Schwarmneigung so gering zu halten, dass sie durch die ledigliche Erweiterung der Beute verhindert werden kann.
3. Wabenfestigkeit: Niemand möchte mit nervösen, ständig aufsteigenden Bienen arbeiten müssen. Es erleichtert die Arbeit des Imkers ungemein, wenn die Tiere wabenfest sind. Bleiben die Bienen trotz Öffnen und Herausziehen von Waben fest auf ihnen, so ist das auch ein Zeichen dafür, dass dieser Eingriff die Volksgemeinschaft nur geringfügig gestört hat.
Jede Störung, die eine Volksgemeinschaft so stark in ihrer Harmonie beeinträchtigt, dass die Bienen aufliegen, läßt einen Teil des Volkes seine Arbeit (also auch die Honigproduktion) unterbrechen.
4. Honigernte: Die Honigernte sollte jedes Jahr mit dem Durchschnitt des Bienenstandes verglichen werden. Da die Trachmöglichkeiten von Ort zu Ort und von Jahr zu Jahr unterschiedlich ausfallen, ist hier eine andere Herangehensweise nicht möglich. Den Honigertrag eines Volkes jedesmal aufwendig wiegen zu müssen erschwert diese Arbeiten sehr und macht sie daher auch so unattraktiv in der Praxis. Wie alles im Leben kann man auch das Schätzen einer Honigernte üben: Entweder werden einzelne Waben probegewogen oder noch besser die Honigzarge vor und nach der Tracht. Nach einigen Jahren der praktischen Arbeit ist es dann möglich, das Gewicht relativ genau zu beurteilen. Die Honigernte wird in Kilogramm angegeben und entsprechend der Notenskala von 1 bis 5 beurteilt.
5. Hygienisches Verhalten (Ausräumrate): Im besonderen Focus ist hier das natürliche Abwehrverhalten gegen die Varroamilbe, aber auch gegen die Faul– und Kalkbrut. Manche Königinnenzüchter testen die Bienen in diesem Bereich – leider ist es oft so, dass nicht immer die Völker, die in den Eigenschaften 1 bis 4 im oberen Drittel gelegen haben, auch ein züchterisch herauszuhebendes Putzverhalten zeigen. Daher wird diese Eigenschaft zu selten in Zuchtprogrammen berücksichtigt. Es bleibt zu hoffen, dass bald auch die Varroatoleranz oder sogar die Varroaresistenz auf diese Wunschliste gesetzt wird.
Warum werden gerade die Eigenschaften der Notenskala (siehe unten) zur Beurteilung herangezogen und nicht andere, ebenfalls interessante Eigenschaften wie Frühlingserwachen, die durchschnittliche Lebenserwartung der Arbeiterinnen und andere?Für eine objektive, rationelle Beurteilung sind solche Eigenschaftstests nur bedingt zu gebrauchen, da sehr zeitaufwendig. Besonders vor dem Hintergrund, dass für gute Zuchttiere große Schwesternserien aufgebaut und einheitlich geprüft werden sollen, ist die Vereinfachung (unter Berücksichtigung der größtmöglichen Vorsicht) eines Prüfschemas meines Erachtens zwingend notwendig.
Bienen, die beurteilt werden sollen, müssen unter relativ gleichwertigen Umweltbedingungen leben. Dies ist besonders wichtig bei der Auswahl von Zuchttieren.
Bei der Aufstellung der Bienenstöcke ist so zu verfahren, dass der mögliche Verflug besonders gering gehalten wird.
Geschwisterköniginnen werden auf mehrere Bienenstände aufgestellt – in diesem Fall ist es wichtig und auch für den Züchter sehr interessant, unterschiedliche klimatische Regionen auszuwählen (aber immer im gleichen Beutensystem, da ansonsten die unbekannten Variablen zu groß würden).
Wenn sich diese trotz der klimatischen Unterschiede unverändert verhalten, ist die Vererbung von größter Bedeutung und vom züchterisch besonders großem Wert.
Notenschlüssel zur Beurteilung von Völkern in Zucht- und Vermehrungsbetrieben: Einleitende Anmerkung:
1: schlechteste Note, 3: Durchschnitt, 5: Optimaler Zustand
Auswahlvölker, die die Note <4 erhalten, sollten für die Weiterzucht nicht verwertet werden. Ausnahme: Selektion auf Varroatoleranz.
1. Sanftmut
- Aggressiv (1)
- Stark stechfreudig (5-8 Stiche, unprovoziert) (2)
- Stechfreudig (1-4 Stiche, unprovoziert) (3)
- Stechen nicht (bei Verwendung von Rauch) (4)
- Stechen nicht (können ohne Rauch bearbeitet werden) (5)
2. Schwarmneigung
- Schwärmen (1)
- Bestiftete Weiselnäpfchen (Schwarmverhindernde Eingriffe mehrmals nötig) (2)
- Bestiftete Weiselnäpfchen (Schwarmverhindernde Eingriffe einmal nötig) (3)
- Bestiftete Weiselnäpfchen (Kein Eingriff. Kein Schwärmen) (4)
- Keine Schwarmneigung (keine bestifteten Weiselnäpfchen) (5)
3. Wabenfestigkeit
- Sehr unruhig (Viele Bienen in der Luft) (1)
- Nervös (Die Bienen laufen auf den Waben. Viele Bienen fliegen einfach auf) (2)
- Unruhig (Die Bienen laufen auf den Waben und fliegen vereinzelt auf) (3)
- Ruhig (Die Bienen sind etwas unruhig auf den Waben, fliegen aber nicht auf) (4)
- Sehr ruhig (Die Bienen verhalten sich ruhig, fliegen auch beim Abschlagen schlagen nicht auf) (5)
4. Honigertrag
- Mehr als 50 % unter dem Durchschnitt des Bienenstandes (1)
- 10% bis 15 % unter dem Durchschnitt des Bienenstandes (2)
- Durchscnitt des Bienenstandes (3)
- 10 % bis 50 % über dem Durchscnitt des Bienenstandes (4)
- > 50 % als der Durchschnitt des Bienenstandes (5)
Die JAHRESNOTE (ausgehend von mindestens fünf Beobachtungen) ergibt sich aus dem Jahresdurchschnitt der jeweils gemachten Aufzeichnungen.
Beispiel Sanftmut:
Volk Nr. 13: Beobachtung am 20.04.09: Note 4
Beobachtung am 30.04.09: Note 4
Beobachtung am 06.05.09: Note 5
Beobachtung am 12.05.09: Note 5
Beobachtung am 18.05.09: Note 5
Beobachtung am 30.05.09: Note 4
Jahresnote Sanftmut Volk Nr. 13: 4,5
Für unsere Zuchtbewertung würde dies im konkreten Fall bedeuten, dass das Schwesternvolk in der Beute Nr. 13 gute bis sehr gute Eigenschaften im Bereich Sanftmut gezeigt hat.
5. Hygienisches Verhalten (Ausräumrate): Wird beschrieben in Kapitel „Auf dem Weg zu mehr Varroatoleranz„
Weiterführende Informationen
Informationen zur Buckfastbiene
Die Buckfastbiene ist schwarmträge, sanftmütig, ertragreich, vital und winterfest.

Bestellvorgang und Lieferung
Informationen über die Verfügbarkeit, Lieferung und den Bestellvorgang von Buckfastköniginnen.

Unser Zuchtprogramm
Allgemeine Informationen zu unserer Zuchtlinie und unserem Zuchtprogramm